200922 Schwiegermutter

Wir machen uns das hier alles nicht leicht. Mit Ls Geburt mitten in die Pandemie hinein ahnten wir, dass die erste Zeit mit ihm wohl anders verlaufen würde als gedacht. Aber ich weiß auch gar nicht mehr, was ich ursprünglich gedacht hatte. Ich wusste schließlich nicht, mit welchem kleinen Kerl wir es zu tun haben würden. Ich sah mich jedoch, das weiß ich noch, top gestylt beim Mittagessen in der Kölner Innenstadt mit selig schlafendem Baby im Kinderwagen. Das ist eines dieser Bilder, die nicht wahr wurden. Aber ganz ehrlich: Der Grund dafür liegt zu 99% nicht in diesem Virus, sondern darin, dass Babys eben andere Sachen wollen. Die wollen nicht Autofahren, nicht länger als eine Stunde im Kinderwagen schlafen, oft so viel trinken, dass die Brust denkt, es gibt 5 davon und entsprechend ausläuft, oder oder oder.
Es gibt viele dieser Beispiele und auch wenn ich diese Pandemie so verteufele: mehr als mit L. spazieren gehen, kuscheln, spielen und das in einem so schönen haus, wie wir es haben, könnte ich mir nicht wünschen. Die Zeit mit ihm und besonders zu dritt ist das wertvollste, was ich mir vorstellen kann und davon haben wir DANK Corona reichlich.

Was mir unsäglich schwer fällt, ist, dass ausgerechnet in dieser Sache, unter der wir alle so zu leiden haben, ich das Gefühl habe, dass mir die Schwiegermutter in den Rücken fällt. Langsam ertrage ich nicht mehr ihre wohl platzierten Spitzen "A. hatte wieder das ganze Wochenende Besuch von den Enkeln, B. war mit Kindern und Enkeln im Urlaub" und Ts Schweigen dazu. Ich habe sie darauf angesprochen, ob sie diese Dinge so absichtlich betont und die Antwort "Nun, mir fällt das schon sehr schwer zu akzeptieren". Ergo: es ist Absicht. Und das tut so weh. Mehr noch als diese ach so netten Anekdoten ihre Bemerkung am Sonntag "L. braucht Kontakte". Als wäre das nichts worüber wir nachdenken würden. Wir haben mit zwei Psychologen und zwei Kinderärzten gesprochen. Keiner von denen sieht auch nur ansatzweise dass L. mit 6 Monaten eigene Kontakte braucht. Der braucht uns. Mehr nicht. Er sieht täglich andere Menschen, mit denen er geradezu flirtet. Ich plaudere auf der Straße mit der Nachbarin, bin auch mal zum Kaffee im Garten. Beim buggyfit hole ich ihn gezwungenermaßen weil er kräht, auch immer aus dem Wagen und er sieht andere Mütter und Babys. Wir haben jedes Wochenende Besuch auf der Terrasse, den er beguckt. Für ein Baby eigentlich ziemlich viel.
Was wir nicht machen: Krabbelgruppe, Babyschwimmen. Und gehalten wird er eben nur von der Schwiegermutter und dem Opa.

Jeder weiß, wie schnell ich mich verunsichern lasse, wenn mir jemand rein redet. Selbst obwohl ich weiß, dass meine Schwiegermutter ihr Käseblatt liest und noch immer denkt, Corona ist eine Erkältung. Mit über 60 und Bluthochdruck sieht sie sich selbst nicht einmal als Risikogruppe.

Aber auch jeder sollte wissen, insbesondere meine Schwiegermutter, dass ich nichts, aber auch gar nichts anderes im Kopf habe als Ls Allerallerbestes.

Ich bin wirklich erschrocken über ihr Verhalten. Ihr eigenes Interesse, L. ohne Einschränkung zu knuddeln, knutschen, geht ihr über alles. Selbst über seine Gesundheit.
Wissen es Schwiegereltern immer besser? Unabhängig von Corona?
Das musste jetzt mal raus.

T. kapiert nicht, wie sehr mir das zu schaffen macht.


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