200928 Bubbles
Das Phänomen Filterblase habe ich für mich erst dieses Jahr wirklich verstanden. Während mein Twitter-Tribe schon früh im März Kontakte begrenzte und Einladungen absagte, noch bevor diese Dinge für alle obligatorisch wurden, trafen sich manche Freunde noch in der Altstadt und zogen um die Häuser. Wochen später, als die Einschränkungen schrittweise aufgehoben wurden, erschienen geradezu absurd anmutende Fotos aus Kneipen in der Freunde-Gruppe, bald auch Grüße aus Spanien, Griechenland und überall, Einladungen zum Brunchen, zum privaten Oktoberfest. Die Mallorca-Hochzeit wird unerträglich lang trotz offizieller Einschätzung als Risikogebiet durchgeprügelt (Absage heute. Keiner unserer Freunde hatte abgesagt, wohl aber viele andere...)
Mein Twitter aber bleibt brav. Und wenn ich ein bisschen Hoffnung haben möchte, dass wir diese Pandemie in den Griff bekommen, mache ich WhatsApp aus und Twitter an.
Richtig darüber nachgedacht, was Filterblase bedeutet, habe ich aber erst heute, als ich im Telefonat mit meiner Schwester erneut bemerkte, dass nicht JEDE den Begriff Care-Arbeit kennt. Besonderen doof übrigens am Telefon, wenn es sich wie Kehr-Arbeit anhört. Bisschen mehr ist das ja dann doch, dieses "Baby und Haushalt". Aber auch eine Freundin, von der ich das nie gedacht hätte, stolperte neulich über den Begriff, als ich ihn benutzte. Das machte mich ein bisschen wahnsinnig, weil ich diesen Begriff in so vielen klugen Zusammenhängen bei so vielen klugen Frauen gelesen habe, dass ich mich schwer tat mit einer eigenen Erklärung der Tragweite gerecht zu werden.
Heute mal: Danke, Filterbubble!
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