201102 Lockdown II Tag 1

Was ändert der Lockdown an mir, für mich? Nach außen wenig. Nach innen viel. Irgendwie schwimmen jetzt alle wieder in eine gemeinsame Richtung, gezwungen die einen, freiwillig die anderen, und das fühlt sich besser an, als dieses Gemetzel im Piranha-Becken der Meinungen über den Sommer hinweg. Meinungen gibt's noch immer viele, aber nicht jede wird mehr umgesetzt.
Ich bin ruhiger, auch wenn das zeitlich begrenzt sein wird.

Die Definition eines Lockdown habe ich mir nie durchgelesen, daher streite ich mich auch nicht darüber, ob der Begriff denn nun angemessen sei oder nicht. Was zählt ist, dass wir wohl auch in 20 Jahren noch wissen werden, was jemand meint, wenn er den zweiten deutschen Lockdown erwähnt - und ja: Wir werden uns erinnern. 

Ich werde erinnern, dass unschöne Gefühle hoch kommen. Dass ich völlig unnötigerweise die Seite des UK Köln anklicke, um die Besuchsregeln zu prüfen, obwohl anders als im März keine Geburt ansteht. Denn L. schläft neben mir in der Wippe. 

Ich werde erinnern, dass ich mir anders als im März nun gar nicht mehr vorstellen kann, dass das irgendwann vorbei ist. So richtig vorbei. Nicht scheinbar vorbei wie im Sommer. 

Ich werde erinnern, dass ich anders als im März keinerlei Bedürfnis verspüre, einzelne Familienmitglieder zumindest per Videotelefonat oder Fotos über L.s Entwicklung auf dem Laufenden zu halten. Denn ich werde nicht vergessen, mit welcher Ignoranz und welchem Egoismus uns in den letzten Monaten begegnet wurde. 

Ich werde erinnern, wieso meine beste Freundin meine beste ist. Wie sie sich ohne jeden Anlass und mit ganzem Herzen dafür entschuldigt, im März /April meine Frustration und Traurigkeit, mit L. nicht all das unternehmen zu können, was wir uns für diese Zeit vorgestellt hatten, kritisiert zu haben. Nun ist sie selber schwanger mit ET genau 365 Tage nach L.s errechnetem ET.

Spaziergang:
Morgens: Quarzwerk-Runde
Nachmittags: Clarenhof-Runde




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