201116 Lockdown II Tag 15

Beruhigend zu wissen, dass ich auch im Lockdown in der Lage bin, einen Overflow an Social Life zu empfinden. Nachdem wir sowohl Samstag als auch Sonntag mit Freunden den halben Tag draußen verbracht haben, freute ich mich heute Morgen so richtig, den Tag nur mit L. zu verbringen. Wir gönnten uns einen extra langen Spaziergang bei Sonnenschein, und es fing gerade an zu regnen, als ich den Schlüssel in die Haustür steckte. Zu Hause gab es für mich Kaffee auf dem Boden, während L. um mich herum robbte. Mittlerweile robbt er auf mich oder T. zu, wir interpretieren das als ersten kleinen Liebesbeweis - hachz! 

Mittagessen, 50g selbst gekochter Brei aus Bio Gemüse wandern in den Müll, L. lutscht Gurke. Langsam kann ich mir die Verzweiflung, aus der meine Eltern mich ein Jahr lang beinahe ausschließlich Milchschnitte essen ließen, nachvollziehen. 

Irgendwann, als ich heute L. so beobachtete, wie er beinahe schon zu krabbeln anfängt, wurde mir klar, dass ich unbewusst noch immer darauf warte, dass L. wie ich als Baby und Kleinkind aus der Norm fällt. Dass er zu klein, zu schwach, zu langsam, zu... ist. Aber nichts davon ist der Fall. Er hat keinen Herzfehler. Er ist so gesund wie er nur sein könnte. Er ist groß. Er ist schwer. Er entwickelt sich völlig innerhalb der Norm, eher sogar schneller. Keinerlei Auffälligkeiten in irgendeiner U, und dass er trotz der dramatischen Geburt keinerlei Schäden davon getragen hat, das wurde uns so eindringlich vermittelt, dass sogar ich das glauben konnte, obwohl mir diese Einschätzung eines Neugeborenen natürlich überhaupt nicht möglich gewesen wäre. 
Und daher habe ich mir heute erlaubt zu entspannen. Es ist alles gut. 

Am Nachmittag drehen wir noch eine kleine Runde mit Trage, kurzer Schnack mit den Nachbarn. Mein ganzes Leben lang habe ich meine Wohnungen nur verlassen, wenn ich sicher war, dass kein Nachbar sich im Treppenhaus aufhielt. Nun lerne ich dieses unverbindliche Quatschen sehr zu schätzen. Man ist nicht gezwungen, es auf "the next Level" zu bringen, eine Einladung auszusprechen, weil Corona. Und gleichzeitig merkt man, dass man für einander Interesse zeigt, L. ist als Straßenjüngster sowieso das Highlight, und ich denke, wenn Corona vorbei ist, wissen wir, wen wir dann mal zu uns einladen und wen eher nicht. 

Spaziergang:  Erweiterte Felder-Runde

Neuinfektionen Deutschland: 10824
Neuinfektionen Köln: 207




Kommentare