210307 Sonntag
Gestern Nachmittag gingen wir spontan noch kurz vor die Tür, um uns bei den dort stehenden Nachbarn für einen Spieltisch zu bedanken, den sie uns für L. gegeben hatten. Daraus wurde dann eine halbe Stunde Abstands-Plausch - das war schön! Dieses spontane "Treffen" ist wirklich genau das, was meinen Bedürfnissen entspricht. Man muss nicht voraussehen, ob man an einem bestimmten Tag zu einer bestimmten Uhrzeit Lust auf Menschen hat. Und kann jederzeit zurück ins Haus flüchten. Ich weiß nicht genau, ob es so etwas oft gibt, aber irgendwie bin ich eine zeitlich begrenzt extrovertierte Introvertierte. Irgendwann reicht es mir mit den Menschen und dann muss ich mich schnell entfernen, damit das "Gesamterlebnis Menschen" in positiver Erinnerung bleibt. Einschränkend muss ich dazu sagen, dass ich in dieser Zeit gerade viel für tagelanges Zusammensein mit Freunden geben würde. Aber das basiert natürlich auf dem großen Mangel, den wir derzeit alle erleiden.
Wir haben gestern sehr oldschool über Telefon bei Lidl eine Bestellung für Antigen-Schnelltests aufgegeben. Zwei Stunden hatten wir mit drei Endgeräten vergeblich versucht, Tests in den Warenkorb zu legen. T. guckte leicht verstört, als ich die Hotline wählte und zeigte mir den Vogel im Sinne von "Als ob..." - fünf Minuten später hatte ich dann eine Bestellbestätigung über die Tests im E-Mail-Postfach. Dann musste ich erst mal heulen, denn die Aussicht, auf diese Weise ggf. L.s Geburtstag doch ein bisschen zu feiern, überforderte mich. Bislang haben wir auf die Schnelltests nicht zurückgegriffen - mir war klar, dass ich mich nicht entspannen würde können, wenn ein Laie (etwa meine Schwiegermutter) den Test durchführen würde, der eigentlich für medizinisches Personal vorgesehen ist. Mit den "Popel"-Tests sehe ich da kein Problem. Und ich bin dankbar für die so schnelle technische Weiterentwicklung, dass nun der vordere Nasenabstrich ausreicht bei gleich guter Performance. Dankbar übrigens auch, dass wir uns die Mehrkosten durch die Pandemie leisten können. Wie viele Familien mag es geben, die das Versagen der Regierung, kostenneutral Sicherheit herzustellen (=Tests, Masken, Desinfektionsmittel, ...) nicht so einfach abfangen können? Pandemie-bedingte Jobverluste gar nicht erst einbezogen.
Am Freitag sagte der NRW Gesundheitsminister, die 4000 Apotheken im Land würden für das kostenlose Testen gerne zur Verfügung stehen. Kurze Recherche ergab: Keine einzige Apotheke in unserer Stadt kommt dafür in Frage. Ein Extra-Raum wird gefordert, was keine der Apotheken bieten kann. Und natürlich sind es die MitarbeiterInnen in den Apotheken, die diesen Frust der Bürger ab morgen abbekommen. Mal sehen, ob unsere Hausärztin das bald anbietet - bisher kostete es dort 30 Euro. Die wird sich aber auch bedanken, wenn sie nun nur noch 18 Euro vom Land dafür bekommt.
So, ich muss jetzt putzen. (Ich fühle mich ertappt dabei, dass ich Ts und Ls Spaziergang dafür nutze und es als Entspannung ansehe. Aber Sport hab ich auch schon durch, das gilt vielleicht tatsächlich als Wellness!)
Kommentare
Kommentar veröffentlichen