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Es werden Posts vom September, 2020 angezeigt.

200930 Chance verpasst...

... seit März noch mal einen anderen Menschen zu umarmen als meinen Mann und mein Kind. Nachdem mein Bruder meine Zähne kontrolliert hatte, mit diversen Instrumenten drin rum gefuchtelt hatte (kein Loch trotz Schwangerschaft, aber mein Zahnfleisch, puh), hätten wir uns eigentlich dann ja auch umarmen können. Das fiel mir leider erst ein, als wir bereits auf der Rückfahrt waren. Schade...  T. hatte mal wieder ein Loch. Unvergessen, als ich ihn vor 11 Jahren, da kannten wir uns ein halbes Jahr, in die Praxis von Papa und Bruder schleppte, nachdem er mir gestanden hatte, fünf Jahre nicht beim Zahnarzt gewesen zu sein. Mein Bruder entdeckte dann 4 Löcher, füllte zwei sofort, zwei die Woche darauf. Seitdem ein running gag in der Familie auf Ts Kosten. Nach der heutigen Füllung kauften wir dann noch schnell Gefülltes Teegebäck bei Café Grimm (sollte einer von Ihnen mal absurderweise nach Wuppertal kommen, das ist sagenhaft lecker und teuer. Lohnt sich wirklich! ), und T. lieferte es mit schi...

200928 Bubbles

Das Phänomen Filterblase habe ich für mich erst dieses Jahr wirklich verstanden. Während mein Twitter-Tribe schon früh im März Kontakte begrenzte und Einladungen absagte, noch bevor diese Dinge für alle obligatorisch wurden, trafen sich manche Freunde noch in der Altstadt und zogen um die Häuser. Wochen später, als die Einschränkungen schrittweise aufgehoben wurden, erschienen geradezu absurd anmutende Fotos aus Kneipen in der Freunde-Gruppe, bald auch Grüße aus Spanien, Griechenland und überall, Einladungen zum Brunchen, zum privaten Oktoberfest. Die Mallorca-Hochzeit wird unerträglich lang trotz offizieller Einschätzung als Risikogebiet durchgeprügelt (Absage heute. Keiner unserer Freunde hatte abgesagt, wohl aber viele andere...)  Mein Twitter aber bleibt brav. Und wenn ich ein bisschen Hoffnung haben möchte, dass wir diese Pandemie in den Griff bekommen, mache ich WhatsApp aus und Twitter an. Richtig darüber nachgedacht, was Filterblase bedeutet, habe ich aber erst heute, als ich i...

200926 Mittagsschlaf

Nach 45 Minuten ist L. gerade eingeschlafen. Voraussichtlich für 30 Minuten, was das Nutzen-Aufwand-Verhältnis bei jeder anderen Sache in Frage stellen würde. Aber hier geht's ja um Babyschlaf, und der ist heilig. Selbst wenn eine Minute anderthalb Minuten "kostet". Ich hab wieder einmal vergeblich versucht, auch die Augen zuzumachen. Aber ich bin kein Tagschläfer. Aber Füße liegen trotzdem hoch, nachdem der Morgen ausgefüllt war mit Breikochen, Putzen, Sport, Ikea-Regalen. Seit etlichen Tagen der erste Vormittag ohne Spaziergang angesichts des heutigen Dauerregens. Aber auch mal schön.

200925 Nächte

Dass L. jede halbe bis ganze Stunde aufwacht derzeit, ist das eine. Dass T. dies aber dann (wohl unbewusst und halb im Schlaf) damit beantwortet, dass er sich umdreht und die Decke höher zieht, das andere. 😂 Ich bin trotz des Schlafmangels nachts recht stoisch und weder genervt von L.,noch, was mir tatsächlich andere Mütter berichten, aggressiv.  Auf L. nicht wohlgemerkt.  T. hätte ich letzte Nacht dann doch beinahe aus dem Bett geworfen. 

200924 Veräppelt

Ich fühle mich ein bisschen veräppelt, dass ausgerechnet ich jetzt einen Risikokontakt mit geringem Risiko in der App habe. Halb im Scherz sagte ich zu T. am Samstagabend, nachdem wir einmal durch halb Köln laufen mussten, um kurz Freunden am Standesamt zu gratulieren, dass wir jetzt unbedingt täglich die App checken müssten. Dass das nun wirklich so kommt, hätte ich trotzdem nicht gedacht. Ein Freund hatte mich noch (lieb gemeint) veralbert, dass man mir angesehen habe, wie lange ich nicht in Köln war, wie ich da hektisch Bürgersteige gewechselt habe und Umwege gegangen bin, um Abstände zu realisieren.  Und trotzdem. Irgendwer da hat unseren Weg gekreuzt. Nachdem ich ein paar Stunden Panik hatte geht es jetzt wieder. Aber was mich so richtig nervt, hat ebenjener Freund treffend ausgedrückt: "Ich verstehe, dass du das als persönliche Niederlage auslegst, da du seit Monaten alles tust, um für L. jedes Risiko zu vermeiden".  Ja. 

200923 Gestern

Nachdem ich gestern ja über das Wochenende schrieb, schreibe ich heute über gestern. Wir waren, das noch gute Wetter nutzend, eine große Runde spazieren.  Und in einem Café, selbstverständlich draußen. Aber immerhin und erst das zweite Mal mit L. L. hatte nach schlechter Nacht die ganze Spazierrunde gepennt. Sogar als es während unseres Cappuccino zum Stillstand kam, schlief er noch eine Weile weiter. Als er sich dann langsam räkelte, holte ich ihn raus. Natürlich flirtete er direkt die beiden älteren Damen am Nebentisch an. "Was 'nen Sonnigen" sagte die eine. Und wir strahlten stolz übers ganze Gesicht. Einfach jeder sagt das, und ein schöneres Kompliment für meinen Sohn kann ich mir kaum vorstellen. 

200922 Schwiegermutter

Wir machen uns das hier alles nicht leicht. Mit Ls Geburt mitten in die Pandemie hinein ahnten wir, dass die erste Zeit mit ihm wohl anders verlaufen würde als gedacht. Aber ich weiß auch gar nicht mehr, was ich ursprünglich gedacht hatte. Ich wusste schließlich nicht, mit welchem kleinen Kerl wir es zu tun haben würden. Ich sah mich jedoch, das weiß ich noch, top gestylt beim Mittagessen in der Kölner Innenstadt mit selig schlafendem Baby im Kinderwagen. Das ist eines dieser Bilder, die nicht wahr wurden. Aber ganz ehrlich: Der Grund dafür liegt zu 99% nicht in diesem Virus, sondern darin, dass Babys eben andere Sachen wollen. Die wollen nicht Autofahren, nicht länger als eine Stunde im Kinderwagen schlafen, oft so viel trinken, dass die Brust denkt, es gibt 5 davon und entsprechend ausläuft, oder oder oder. Es gibt viele dieser Beispiele und auch wenn ich diese Pandemie so verteufele: mehr als mit L. spazieren gehen, kuscheln, spielen und das in einem so schönen haus, wie wir es habe...

200921 Eingegroovt

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T. und ich haben jetzt 4 Tage gebraucht, um uns einzugrooven. Nach allem, was letzte Woche so gewesen ist, verordneten wir uns heute einen Tag zu dritt ohne Autofahren (mit L. immer großer Stress), ohne Corona-Themen und ohne über Verabredungen mit Familie/Freunden zu sprechen. Das tat gut.  Besonders da die Nacht wieder nicht gut war - bis 3 Uhr jede Stunde wach, ab 3 Uhr jede halbe Stunde wach, und ich schon wieder Ohrenschmerzen habe. T. schläft wieder im Gästezimmer. Ich muss mich echt bemühen, da nur eine begrenzte Anzahl an Sprüchen täglich zu machen, denn ich habe diese Nächte seit 4 Wochen so und T. hat seit Beginn seiner Elternzeit genau zwei dieser Nächte ausgehalten. Natürlich bin ich damit einverstanden, sonst würde er bei uns schlafen. Aber mich wurmt es doch, dass wir in so vielen Dingen anders agieren, als wir es uns einmal vorgenommen haben. Aber Ts ausgeglichenes Wesen tagsüber hilft mir mehr als sein "Hat er vielleicht Hunger" nachts. Oft weiß ich nachts sel...

200920-2 Was es ist...

... was die Pandemie für den einzelnen schwierig bis unerträglich macht, unterscheidet sich sicherlich sehr. Für mich sind es Situationen wie die heute, die mich glauben lassen, dass ich mich nie wieder auf das Wort von irgendwem, nicht mal von den liebsten verlassen kann. Kaum ist T.s Quarantäne beendet und unser Gespräch geführt, dass wir auch seine Mutter noch einmal auf die steigenden Zahlen sowie die Verantwortung, die auch sie für L. hat hinweisen, da sie engen Kontakt zu ihm hat (alleine schon schade, dass wir das überhaupt erwähnen müssen), war sie heute zu Besuch. Gestern am Telefon hatte T. das mit ihr abgemacht. Und, nein, natürlich treffe sie keine Leute indoor, nur ins Büro muss sie. Das wissen wir natürlich und das ist eben leider so. Dass die beiden gestern Abend dann aber auch über das Kartoffelbraten letztes Wochenende im Sauerland gesprochen hatten, wo sie bei der Familie ihres Bruders (zwei berufstätige Eltern, zwei Kinder in zwei verschiedenen Berufsschulen, denen ...

200920 Elternzeit zu dritt

Seit Donnerstag hat T. also ebenfalls Elternzeit. Ja, wir sind - und das wurde mir erst mit und mit bewusst - in dieser Sache schrecklich antiquiert und irgendwie schäme ich mich dafür, während ich mich gleichzeitig auf die gemeinsame Zeit sehr freue. Unser FreundInnenkreis ist übrigens auch nicht besser. Wir stechen noch insofern hervor, als wir Pandemie-bedingt nicht in Urlaub fahren, sondern gemeinsam Alltag erleben. Gestartet sind wir wie so oft mit einer Wanderung bei spätherbstlichen Sonnenschein. In den letzten Wochen hatten wir bedingt durch sehr viel Arbeit bei T., oft auch am Wochenende, viele Besuche im Garten und so was, wenig Zeit zum Reden. Dies führte dann dazu dass wir sämtliche kritischen Themen ungeplant beim Spazieren zu klären versuchten, was keine gute Idee war. Nochmal vertagt. Und vorgenommen, das Zwiegespräch nicht wieder schleifen zu lassen, auch wenn wir wenig Zeit haben. Den Samstag verbrachten wir mit Arbeiten am und im Haus. Dann kam ich noch auf die Idee, ...

Ein ganzes halbes Jahr...

  ...ist vergangen, seit L. bei uns ist. Wohl niemandem, der Elter ist, muss ich erklären, dass in dieser Zeit einfach alles steckte: So viel Spaß, so viel Melancholie, so viel Leben, aber auch ruhige Minuten, Überforderung, dann wieder das Gefühl, Super-Mom zu sein, Angst, pure Lebensfreude, Müdigkeit und Aufgedrehtsein. Ach ja, und ein Hauskauf und diese klitzekleine Pandemie. Vor allem aber in jeder Sekunde pures Glück. Und Dankbarkeit, die oft an Demut grenzt. Auch in Nächten, in denen ich 12 mal geweckt werde, geht die Dankbarkeit nicht verloren, und darüber bin ich besonders froh.  Mit T. nun in Elternzeit finde ich vielleicht hier und da ein Stündchen zum Bloggen. Vorerst bleibt der alte Blog leer, bis ich schrittweise einzelne Posts wieder aus der Versenkung hole. Der neue Blog ist dann bald nur auf Anfrage zugänglich. Denn meine Geschichte ist jetzt auch die von L. und entsprechend größer die Verantwortung für ins Netz gestellte Inhalte.