201005 WMDEDGT

Lange her, dass ich Frau Brüllens Aufruf zum Tagebuchbloggen gefolgt bin. Aber wenn man bloggt, dann gehört das ja quasi zum guten Ton.

0:00-05:30
Unveränderter Rhythmus alle 30 bis 60 Minuten. Irgendwann hole ich L. zu mir ins Bett, da ich merke, dass zumindest für ihn die Nacht beendet ist. T. hört uns und kommt aus dem Gästezimmer angeschlurft. Diese Schlafregelung ist auch so was, was ich, bevor L. zur Welt kam, kategorisch ausgeschlossen hätte. Aber ich habe gerne einen gut gelaunten und anwesenden Mann. Wie der Schlafmangel auf ihn durchschlägt, ist sicher nicht ganz normal. Aber muss ich eben akzeptieren. 

06.30 
T. holt Kaffee. L. ist wie jeden Morgen völlig fasziniert vom Mini-Rassel-Teddy von Steiff. Wahrscheinlich denkt er, wir haben tausende davon... Jedenfalls freut er sich jeden Morgen aufs Neue sehr!

07:30
Irgendwann gehe ich duschen. Dank seines Monats Elternzeit bleibt T. noch mit L. im Bett. Unter der Dusche denke ich auf Grund eines Tweets darüber nach, wie wohl dieses 2020 verlaufen wäre, wäre mit L. nicht unser größter Wunsch in Erfüllung gegangen. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie (oder sogar ob) ich dieses Jahr überstanden hätte. Sicherlich wäre die Kinderwunschbehandlung mit Beginn der Pandemie abrupt abgebrochen worden, mein Job hätte sich sicherlich nicht zum Positiven entwickelt. Wie glücklich wir sein können!

09:30
Mit diesen Gedanken im Kopf starten wir nach dem Frühstück zu einem Spaziergang im Dauerregen. Als T. dann darüber anfängt zu jammern, dass der bevorstehende Winter fürchterlich werde ohne spontane Besuche, Familienfeiern, etc., platzt mir ein wenig der Kragen. Erstmal können wir uns sehr wohl mit Mitmenschen treffen, man muss nur etwas Kreativität beweisen, schätze ich, und zweitens: Was haben wir für ein verdammtes Glück. Wir haben einen gesunden Sohn und ein schönes Dach über dem Kopf. Keine finanziellen Nöte wie so viele andere in der Pandemie, und (auch nicht zu verachten) T. hat noch nicht mal Angst, wie ich sie habe. Ich wäre zu froh, wenn meine größte Sorge wäre, dass das Treffen komplizierter wird...

10:30
T. geht noch etwas weiter, da L. schläft. Auf diese Weise kann ich in Ruhe einen Kaffee trinken. Eine halbe Stunde später kommen die beiden nach Hause und L. hat Hunger. Leider nach wie vor nicht auf Brei - wir pausieren noch mal seit ein paar Tagen und wollen stattdessen heute mal den Abendbrei ausprobieren.

12:30
Das selbst gebackene Brot ist fertig, also Mittag. Im Anschluss putze ich schnell das Bad, T. bespaßt L., vielleicht auch andersrum.

14:00
Trotz Elternzeit hat T. einen Call. Ich nutze L.s kurzes Schläfchen dazu, schon mal Gemüse fürs Abendessen zu schnibbeln.

15:00
T. fährt einkaufen, L. und ich spielen Durch-die-Gegend-Kullern.

16:30
Mal wieder Diskussion um Corona bis zum Abendessen. Während T. zumindest an einer im Freien stattfindenden Trauung teilnehmen will, fühle ich mich danach, diese Hochzeit gänzlich zu boykottieren. 
Das Brautpaar hat klipp und klar gesagt, dass es die Feier durchziehe, weil sie kein Geld zurück erhalten. Statt entsprechend Maßnahmen vorzunehmen, bleibt alles wie es ist. Festsaal, 100 Gäste, sogar Buffet statt Menü. Selbstverständlich wird auch T. keinen Festsaal betreten und auch draußen Abstand halten. Aber selbst das empfinde ich als unangebracht. Zumal auch keine Information im Sinne von "Ja, wir wissen, dass ihr vorsichtig seid, wir hätten Verständnis für eine Absage" kam. 

Wir haben heute beide keine guten Nerven. Ich sag, dass ich nun nicht mehr weiter diskutieren mag. 

17:00
L. mag also auch keinen Getreidebrei. Dass er die Lippen so aufeinander presst, kennen wir aus keiner anderen Situation außer Brei. Schlafen will er auch nicht. 

17:30
Abendessen: Nudelauflauf mit Blumenkohl. Sehr lecker. 

18:30 
Erneuter Versuch L. zum Schlafen zu bringen. 


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