201012 Befreit

Wo will man im Moment so gar nicht hin? Genau, nach Köln in eine Arztpraxis. Nun hatten wir den Termin aber schon seit zwei Monaten, und entsprechend schwer fiel mir die Entscheidung: Wahrnehmen oder nicht (T. hätte beides ok gefunden). Letztendlich habe ich dann entschieden, dass wir fahren - in einer Praxis, in die potenziell kleine Hochrisikopatienten kommen, müssten wir mit einem - ziemlich sicher - gesunden Kind gut aufgehoben sein.

Der Weg vom Parkplatz zur Praxis war eine eher positive Überraschung. Auffallend viele Maskenträger, gerade junge. Das freute mich tatsächlich. Vielleicht bekommen wir das ja doch hin über den Winter. 

In der Praxis war nur eine Begleitperson erlaubt. Dies war ohne Diskussion ich, da der Arzt der ist, der bei mir vor 30 Jahren den Herzfehler diagnostiziert und seitdem über Jahre begleitet hatte. Den wollte ich gerne wieder sehen, und auch so ist Gesundheit eher mein Thema als Ts. 😬. L. packte ich mir in die Trage. Aber egal wie, ob Maxi Cosi, Trage..: das ist für mich immer eine logistische Herausforderung. Nach verhältnismäßig langer Wartezeit im zum Glück aber leeren Wartezimmer am offenen Fenster, bekam L. erstmal Hunger, sodass ich mich auspacken musste. Kurz darauf dann EKG (sehr putzig, L. guckte einfach mit mir zusammen auf den Bildschirm und benahm sich vorbildlich) im ersten Raum, L. bis auf Windel nackig gemacht. Dann kam besagter Doktor und freute sich sehr mich zu sehen. Fragte nach meiner Familie (den Tod meines Vaters hatte er natürlich nicht mehr mitbekommen) und was ich so mache. Er konnte sich auch erinnern, dass wir immer aus Wuppertal ins Kölner Kinderkrankenhaus gekommen waren. Nachdem er L. bewundert hatte ("schön groß und dick, der ist gesund"), besah er das EKG, dann rannte er voraus ins nächste Zimmer für Ultraschall. Ich mit nackigem L. Auf dem Arm, seinen Klamotten, Wickeltasche und Trage kam nicht schnell hinterher, sodass er zurück kam und mir half. Wie zur Hölle machen andere das?! 

Dann also Ultraschall und am Ende der erlösende Satz "Eva, du hast ein völlig herzgesundes Kind". Ich hätte Dr
G. dann jetzt erst recht gerne umarmt, aber tja... Eine Weile quatschten wir noch (auch corona. Seine Meinung ist, es gibt kein Covid 19 bei Kindern. Infektionen Ja, aber keine Krankheit. Die wenigen medienwirksamen Fälle haben für ihn keinerlei Bedeutung, da er davon ausgeht, dass das Virus nicht der ausschlaggebende Faktor für eine schwierige Erkrankung oder her einen Todesfall ist)
und dann verabschiedeten wir uns. Er mir den Worten "Bis zum nächsten Kind". 

Den Rest des Tages war ich ziemlich aufgedreht und sehr froh. Nachmittags holte ich eine über ebay Kleinanzeigen ergatterte Trage ab, die aktuelle ist einfach echt zu klein, abends machte T. eine wirklich hervorragende vegetarische Lasagne (Chefkoch, das Rezept dort mit den meisten Bewertungen), die allerdings ziemlich sättigte. 

Nach 30 Minuten erfolgloser Einschlafbegleitung wurde ich nun von T. abgelöst. 









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