201020 Wieder zu zweit, fast

T.s Elternzeit ist vorbei, und L. und ich bestreiten den Tag wieder zu zweit. Naja fast. Es ist nicht absehbar, dass das Home Office für T. dieses Jahr noch mal beendet wird. Die Regeln im Büro wurden verschärft, die Ausflüge dorthin dürften sich auf wenige Ausnahmen begrenzen. Die Inzidenz in Köln ist auch einfach mal doppelt so hoch wie bei uns. Eventuell wird es in Köln sogar Maßnahmen geben, die unseren Wohnort nicht betreffen. Dann wäre ein Ausflug dorthin erst recht unsinnig.

Der Besuch beim Kardiologen mitten in Köln letzte Woche hat T. zwei neue Risikowarnungen mit geringem Risiko eingebracht, während er vor der Tür mit FFP2 Maske (!) auf uns wartete. Wie sehr man sich an all das doch gewöhnt... Bei der ersten Warnung bin ich noch an die Decke gegangen und habe einen Selbstzahlertest in Erwägung gezogen. Auch der Sprachschatz passt sich widerstandslos an. Gerade sehr auffällig beim Wort Inzidenz - ich glaube nicht, dass ich das vor 2020 jemals verwendet habe.

Während meine Therapeutin mich letzte Woche noch beruhigt hat, indem sie sagte "naja, dann schmollt die Schwiegermutter halt mal, kann sie ja", eskalierte das erste Telefonat seit dem letzten misslungenen Besuch zwischen ihr und T. nun. Auf T.s Frage "Ja was ist denn dann, wenn du L. oder Eva ansteckst, wenn L. im Krankenhaus landet oder Eva die eine Niere noch verliert wegen einer vermeidbaren Infektion?" disqualifizierte sie sich mit der Aussage "Aber ich hab ja kein Corona" - auf der Ebene wissen wir kaum weiter zu diskutieren. Wenn sie sich selber weiter im Wege steht, statt einfach zu akzeptieren, dass Pandemie kacke ist, aber eben für uns alle, nicht nur für sie, wird sie L. wohl den Winter über nicht sehen können. Die Rahmenbedingungen setzen wir fest, nicht sie. 
T., der in 12 Jahren kein schlechtes Wort über seine Mutter gesagt hat, ist so enttäuscht, dass ich Tränen sah. 
Wenn die Regeln nicht ins Private ergänzt werden, wird die Familie Weihnachten ganz wie immer mit 6 haushalten und 20 Leuten im Kaminzimmer des Gartenhauses feiern. Nur eben ohne uns. Vorschläge wie gemeinsame Wanderung mit Glühwein, etc - T. wurde nicht einmal ausreden gelassen. 

Zum Glück bin ich wütender als traurig. 


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