WMDEDGT 03/2021
Pandemie-Tagebuch, initiiert durch Frau Brüllen. Das trifft mich heute an einem gefühlten Corona-Tiefpunkt, unten vielleicht mehr dazu. Es geht wohl nicht mir so seit der MP-Konferenz. Das Wort Kapitulation ist in aller Munde.
06:30
L. und ich haben genug von dieser Nacht. Sprechen möchten wir auch nicht darüber. Ich bilde mir durchaus ein, dass man die MMR Impfung von Mittwoch merkt, auch wenn sie erst zwei Tage her ist. T. bringt Kaffee, den ich erst mal schweigsam trinke. L. wuselt durchs Schlafzimmer und ich erinnere mich zurück an die Zeit, da er während der unseres morgendlichen Kaffees einfach auf dem Rücken zwischen uns lag. Wie schnell die Zeit verging. Jetzt müssen wir sehr gut aufpassen, dass er nicht die Kaffeetassen an sich reißt, aus dem Bett fällt, etc. Nach wie vor eine der schönsten Stunden des Tages. Ich hoffe, wir retten sie uns auch post-pandemisch in den Alltag.
08:00
L. und ich sitzen beim Frühstück. Zuvor hat T. schon versucht, ob das Füttern besser klappt, wenn ich nicht dabei bin - eine Idee aus der U-Untersuchung von Mittwoch. Fehlanzeige. Ich muss gestehen: Ich bin ein wenig erleichtert, dass meine Anwesenheit nicht der Punkt ist.
09:00
Fertig angezogen, es ist richtig kalt heute, machen wir uns auf den Weg. Ich hole bei meiner Hausäztin DAS Dokument ab. Das Dokument, auf dem bescheinigt wird, dass ich gemäß §3 der Impfverordnung zu Gruppe 2 gehöre. Ehrlicherweise hatte ich nicht damit gerechnet, mich vor Mai/Juni darum zu bemühen. Nun kam es aber so, dass mir gestern aus meiner Heimatstadt W. erzählt wurde, dort könne man sich als vorerkrankte Risikogruppen-Person bereits registrieren. Auf der NRW-Seite zum Corona-Virus fand ich da nichts zu - also rief ich (ich höre ja gut zu!) die 116117 an. Oder wo würden Sie anrufen, um sich darüber Klarheit zu verschaffen? Für mich ist das seit Beginn der Impfkampagne die zentrale Stelle. Nun, die gestrige Erkenntnis war, dass die 116117 ausschließlich für Termine der Gruppen Ü80 verantworlich wäre. Andere Termine könne man ausdrücklich nicht vergeben. Mir wurde empfohlen, mich beim Kreis zu informieren. Also suchte und suchte ich, bis ich eine Nummer fand, die irgendwie mit dem Kreis und Corona zu tun hatte, wo mir dann eine E-Mail-Adresse (mit 4 !! Minuszeichen in der Adresse) diktiert wurde, an die ich mein Anliegen und mein Attest senden sollte. Dass jeder Kreis sein Süppchen kocht, ist das eine. Dass dies aber der Prozess sein soll, mit dem tausende Menschen hier ihren Impfanspruch nachweisen sollen, machte mich sprachlos. Ich bin bei so was ja hartnäckig, habe gute Ohren, weiß, wie eine E-Mail-Adresse ungefähr auszusehen hat, um sie richtig niederzuschreiben, habe einen Scanner und ein Smartphone. Aber ganz ehrlich - ich glaube, schon mein Onkel, der ebenfalls mit seinem Diabetes in diese Gruppe gehört, wäre überfordert. Aber ok, ich hatte für mich jetzt einen Plan und rief meine Hausärztin an, um das Attest zu beantragen. Die Mitarbeiterin meiner Hausärztin war schon beim Wort Corona+Attest genervt: Man habe heute von der kassenärztlichen Vereinigung die Info bekommen, dass ausschließlich Atteste für die Vorerkrankungen Diabetes und Adipositas herausgegeben werden dürften. Und übrigens, anders als in der CoronaImpfV angegeben, müsse ich das Attest auch selber bezahlen. Wieso nur ausgewählte Krankheiten aus Gruppe 2 nun berücksichtigt würden, konnte sie mir nicht erklären. Also legte ich wieder auf, rief die Kassenärztliche Vereinigung an und - erreichte niemanden. Also versuchte ich es noch mal beim Kreis, wo man mir sagte "Wir sind hier ja die Corona-Infostelle - wir können Ihnen nichts zur Impfreihenfolge sagen!". Das war dann der Punkt, an dem mir die Tränen kamen. Ich legte auf, rief wieder meine Hausärztin an und bestand auf dem Attest (auf DAS Attest? Mit Dativ oder Akkusativ?). Anscheinend hatte die Mitarbeiterin in der Zwischenzeit auch mit der Ärztin gesprochen und sagte plötzlich "Natürlich kriegen Sie das Attest. Aber es wird hakt nix nützen". Immerhin.
Nun, eben holte ich es also ab, fragte noch mal die Mitarbeiterin, wie das denn die anderen Patientinnen machen würden, wenn der Prozess so chaotisch sei, woraufhin sie mir erzählte, dass man doch ganz einfach mit Vorerkrankungen über die 116117 Termine machen könne. So wären etliche ihrer Patientinnen schon geimpft worden. Ich erklärte ihr, dass bei der 116117 pauschal keine Termine für U80 gegeben würden, woraufhin sie meinte, man müsse nur den richtigen am Telefon haben... Ich konnte das einfach nicht fassen und heulte wieder. Eventuell bin ich gerade etwas am Limit. Schlafmangel, Pandemie, Angst - und dann hört man, dass man zu dumm ist, sich impfen zu lassen, weil man sich auf Aussagen des BMG, der Landesregierung sowie an DER Hotline fürs Impfen verlässt - vielleicht hätte ich längst geimpft sein können und hätte somit nicht nur für mich, sondern für L. und T. das Risiko, Corona anzuschleppen senken können?
Immerhin wurde die Mitarbeiterin angesichts meiner Tränen freundlicher und versprach noch mal mit der Ärztin zu sprechen, da diese selbst als Impfärztin im Zentrum tätig sei. Ich sagte ihr, das sei nicht nötig, ich würde jetzt eben eine Mail an dei E-Mail-Adresse vom Vortag senden und der Dinge harren. Entweder da kommt irgendwann ein Termin oder eben nicht.
Ich sag euch - die 5 Euro für das Attest hole ich mir sowas von
wieder - aus Protest gegen dieses Chaos! Und dann kaufe ich mir nach der
Impfung ein Stück Sahnetorte davon.
Ich verabschiedete mich für unsere Spazierrunde, auf der ich noch eine Weile brauchte, um das Weinen einzustellen. Irgendwann fing L. auch an und wir heulten beide um die Wette, bis er einschlief.
11:00
Wieder zu Hause hat mir das schöne Wetter ein wenig den Kopf gereinigt. Mit einem Kaffee hocke ich mich mit L. ins Wohnzimmer, während er Bücher aus dem Regal holt und durchblättert.
12:00
T. kommt zum Mittagessen runter. Dilemma: L. lässt sich nicht tripptrappen, will offensichtlich erst stillen. Also bekommt er Milch und lässt sich dann nicht mehr von anderer Nahrung begeistern. Tja. Ein ziemlich normaler Tag in Sachen Essen- leider. Als ich fertig gegessen habe, gehen L. und ich in den Keller, wo ich ein paar Minuten Sport mache, wärhend er um mich herum wuselt. Der lärmende Spieltisch von Fisher Price, den die Nachbarn uns überlassen haben, wird wider jedes Erwarten komplett ignoriert. L. spielt 15 Minuten mit meiner Black Roll, die er durch den Raum rollt, um hinterher zu krabbeln! Verstehe einer dieses süße Wesen!
13:00
Mittagsschlaf für L., Pause und Kaffee für mich. In Akkord schreibe ich alle Mails, die die letzten Tage angefallen sind. Auch eine an die Kassenärztl. Vereinigung (meine Sahnetorte!).
13:30
Mittagspause beendet, danke DPD. Wofür gibt es die Funktion, online einen Ablegeort festzulegen, wenn dann doch der Bote klingelt und auf mich vor der Tür wartet? Ohne Maske. Und ich war zu perplex, meine aufzuziehen. Ich ärgere mich sehr.
Da L. nun wach ist, wird weiter gespielt. Die Kugelbahn war, seitdem er stehen kann, eigentlich ins Hintertreffen geraten. Heute ist sie aber wieder mal der Hit. Irgendwie schön, dass Kinder über Jahrhunderte das gleiche Spielzeug mögen.
16:30
Ich mache mir ein paar Nudeln, L. Brei. Wieder einmal eine wenig erfolgreiche Mahlzeit. Eine Baby Reiswaffel wird verzehrt (ja, ich weiß um die Schadstoffbelastung -die Grenzwerte wurden allerdings auch deutlich herabgesetzt, seitdem das mal aufgedeckt wurde, insofern glaube ich muss man sowieso keine Bedenken mehr haben - habe sie nicht selbst gekauft, sondern von der Schwiegermutter geschenkt bekommen, und nun isst er die Packung und das wird wohl ok sein!)
17:00
L. und ich beschließen unseren Tag mit einem Tanz zum Wellerman Song. Ich liebe das Lied, es macht mir richtig gute Laune, und L. strampelt glücklich, wenn ich ihn durch die Luft wirbele.
17:30
T. macht Feierabend und spielt mit L. Ich räum die Küche auf, setze mich an den Laptop und blogge! Et voila!
T. macht Feierabend und spielt mit L. Ich räum die Küche auf, setze mich an den Laptop und blogge! Et voila!
Gleich wohl: Kurze Yoga-Session, dann Bettzeit für L. und noch ein Stündchen Couch für mich.
Ich freue mich sehr, wieder von Ihnen zu lesen, kann Ihren Ärger um den Impfwirrwarr aus vollem Herzen nachvollziehen und feiere Sie schon jetzt für die grandiose Idee mit der Torte.
AntwortenLöschenLiebste Grüße Laura
Vielen Dank für den freundlichen Kommentar - habe mich sehr gefreut! Ich hoffe für uns alle, dass wir bald alle Sahnetorte essen!
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